Death Stranding

Erschienen am 8. November 2019 für PlayStation.

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Nachdenken ist erwünscht

Die meisten Spiele im AAA-Segment bieten eine recht überschaubare Story in einer nicht allzu abstrakten Welt. Der Spieler soll nicht mit schwer verständlichen Zusammenhängen belästigt werden und selbst mit “Second Screen” noch alles verstehen können. Standardisierte Schwarz-Weiß-Storylines aus dem 0815-Baukasten sind die Regel – auserzählt, leicht verständlich und bloß keine offenen Fragen. Mit Death Stranding kommt nun endlich der “Schulhof-Talk” und das gemeinsame Philosophieren zurück. In Bezug auf den nächsten Aspekt, lässt sich die Genialität dahinter entdecken.

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Gesellschaftskritik

Mehrfach erwähnte Hideo Kojima im Vorfeld, dass Death Stranding in seiner Gesamtheit den Spieler zum Nachdenken über zwischenmenschlichen Beziehungen verleiten solle. In einer postapokalyptischen Welt, ohne digitale Vernetzung, stellt der Postbote die letzte Verbindung zwischen den Menschen dar. Über ihn tauschen sie sich untereinander aus oder erfahren von der Welt außerhalb ihres Bunkers. Das gesamte Spiel baut auf der Grundannahme auf, dass die Menschheit ohne zwischenmenschliche Interaktion dem Untergang geweiht ist. Eine unterschwellige Kritik an der heutigen Zeit schwingt unweigerlich mit.

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Eigene Identität

Während den langen Wanderungen in der trostlosen und kargen Welt – unterstrichen durch einen schwermütigen Score – kommt unweigerlich ein Gefühl der Einsamkeit auf. Der melancholische Grundton durchzieht Gameplay, Story sowie Präsentation. Während andere AAAs oftmals keine klare Identität entwickeln und von einem Ton zum anderen springen, bleibt sich Death Stranding treu. Das unweigerliche Aufkommen von Gefühlen und deren Erkundung ist Teil des Spiels und reicht so von der virtuellen Seite in das eigene Leben hinein. Leider bekommen wir nur selten solche Projekte zu Gesicht.

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Der Mut zum eigenen Weg

Wie bereits zuvor angeschnitten, fehlt vielen großen Spielen der Mut zu Experimenten. Die Publisher bevorzugen sichere und dem Mainstream angepasste Ideen. Ohne den großen Namen hinter dem Projekt hätte Sony vermutlich nicht in Death Stranding investiert. Nun zeigt das Spiel allerdings, dass sich ungewöhnliche Konzepte auch für den Geldgeber auszahlen können. Kreative Ideen können sich somit lohnen und bieten in naher Zukunft die Chance für eine vielfältigere AAA-Spielelandschaft.

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Triste Landschaften

Die monotone Umgebung passt in das Konzept der menschenleeren Post-Apokalypse und unterstreicht das Gefühl der Einsamkeit. Dennoch stören die immer gleichen grau-braun-grün gefärbten Mondlandschaften über die Zeit ein wenig, da sich aufgrund der immer wieder gleichen Strecken eine visuelle Monotonie einstellen kann. Wer sich an schottischen oder marokkanischen Landschaften nicht satt sehen kann, der wird damit keine Probleme haben.

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Anstrengendes Item-Management

Zu Beginn stellt das Item-Management noch keine wirklich große Herausforderung dar, jedoch ändert sich dies relativ schnell und artet mit der Zeit in einen Logistiker-Alptraum aus. Da in Death Stranding relativ spärlich mit aussagekräftigen Hilfestellungen umgegangen wird, während die Zahlen und Angaben im Menü erschlagend sein können, wisst ihr oftmals nicht genau, weshalb eine bestimmte Frachtkombination nicht transportierbar ist. Zusätzlich wird man immer wieder mit einer Vielzahl von Items überhäuft, für die erstmal Platz geschaffen werden muss.

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Eintönige Missionen

Death Stranding macht als Postmann-Simulation eine gute Arbeit und bietet nur wenig Abwechslung. Meist lauft, klettert oder fahrt ihr mehrfach von einer Station zur nächsten oder findet euch in einer Dreiecksbeziehung zwischen ziemlich fordernden Bunkerbewohnern wieder. Auch wenn es logisch ist, dass alltägliche Bedürfnisse wie Essiggurken oder Energy-Drinks gedeckt werden müssen, so bleiben die Standardaufträge eine eher monotone Beigabe. Zudem bringen euch diese Aufträge nur selten einen spielerischen Mehrwert.

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Monotones Kampfsystem

Die größte Schwäche von Death Stranding ist sein Kampfsystem, welches schnell erlernt und noch schneller gemeistert werden kann. Im Grunde gibt es lediglich zwei Gegnergruppen: Menschen und Geister. Für erstere reicht fast ausschließlich ein Hämmern auf die Viereck-Taste, bis ein ganzes Lager ins Land der Briefmarken geschickt wurde und die Geister lassen sich oftmals mit einem schnellen Gefährt umfahren oder mit Granaten wieder zurück ins Jenseits befördern. Einzige Abwechslung bieten die Bosse, die jedoch auch keine große Herausforderung darstellen.

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Verwirrende Story

Für diejenigen unter euch, die sich gerne abseits der direkt präsentierten Geschichte gerne einlesen oder sogar eigene Vermutungen anstellen möchten, passt Death Stranding wie die Faust ins Paket. Der Produzent Hideo Kojima meinte selbst, dass er nicht wisse, worum es eigentlich in seinem Spiel gehe. Dementsprechend kann die Geschichte durchaus löchrig wirken und nur aus eigenem Antrieb mit den fehlenden Bruchstücken gefüllt werden. Solltet ihr allerdings einfach erzählte Geschichten bevorzugen, so mutiert der Strandurlaub schnell mal zum “What”-Wandern.

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Der gestrandete Tod

Seit sich die Welt der Toten mit der diesseitigen Dimension überschneidet, steht die Menschheit kurz vor ihrer Auslöschung. Dieses mysteriöse Ereignis – auch “Death Stranding” genannt – sorgt für eine Reihe von extrem gefährlichen Anomalien: Regen beeinflusst die Zeit, geisterhafte Wesen (GDs) lechzen nach den Lebenden und nicht verbrannte Leichen können ganze Landstriche in kilometerweite Krater verwandeln. Zu allem Überdruss möchte eine Gruppe von Terroristen, die Homo-Demens, der Menschheit ein Ende bereiten.

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Der Aufstieg des Postmann

Da die äußeren Begebenheiten nicht gerade für ein lebensfreundliches Klima sorgen, verschanzen sich die Überlebenden in abgeschotteten Bereichen oder Bunker. Die einzige Verbindung zwischen den verbliebenen Ballungszentren stellt das Chiral-Netzwerk dar, welches sich die besonderen Eigenschaften des “Death Stranding” zunutze macht. Zuvor müssen die jeweiligen Standorte jedoch mit dem Hauptknotenpunkt verbunden werden. Für diese gefährlichen Reisen, jedoch auch für sonstige Botengänge, werden postapokalyptische Postboten angeworben – auch MULEs genannt.

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Die Aufgabe

Sam Bridges (Norman Reedus) gerät über Umwege in die Mühlen der Weltverbesserungs-Organisation Bridges, die sich selbst als die offizielle Nachfolge der USA sieht. Das Problem: Die symbolträchtige Figur der Präsidentin und einzige Verbindung zur alten Ordnung liegt im Sterben. Die Nachfolgerin – unglücklicherweise die Schwester von Sam – befindet sich am anderen Ende des Landes in der Gewalt der Homo Demens. Es folgt die wohl gefährlichste Paketabholung, die ein Postbote je durchführen musste. Trotz dieser eher mäßigen Prämisse entspinnt sich eine durchweg tiefgründige aber teils auch verwirrende Story.

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Ein ungewöhnliches Konzept

Death Stranding nutzt den allseits bekannten Postboten als Symbol für die Vernetzung von Personen. Den Hauptanteil des Gameplay bildet das Annehmen und Ausliefern von diversen Frachtgegenständen. Hierbei fällt der logistischen Planung von Transport, Anordnung sowie Wegplanung eine entscheidende Rolle zu. Das Gewicht und Arrangement der Ladung beeinflusst Gleichgewicht sowie Ausdauer. Unwegsames Gelände kann mit Leitern, Kletterhaken oder Fahrzeugen bewältigt werden. Auch Konstruktionen wie Straßen, Ladestationen und Brücken erleichtern den Express-Versand.

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Das ist mein Paket!

Auf den Reisen zur Rettung der Menschheit – oder mindestens der Auslieferung eines wichtigen Füllfederhalters – trifft Sam auf eine Vielzahl von Gefahren. Während möglicher Zeitregen den Zustand der Fracht verschlechtert und Flüsse zu einer Herausforderung werden, trachten auch immer wieder fremde Paketboten nach eurer Ware. Mit schwungvollen Hieben und Tritten können diese in das Land der Briefe befördert werden. Fesselspiele mit der Bola-Gun oder dem Packseil sorgen auch für einen ruhigen Feierabend. Da diese BDSM-Treffen selten wirklich anspruchsvoll ausfallen, verkommen sie schnell zu lästigem Beiwerk.

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Strandurlaub am Toten Meer

Weitaus gefährlicher sind die in der Welt arealweise auftretenden Geister-Anomalien, die sich oftmals äußerst unvorteilhaft genau auf dem Weg zur nächsten Station befinden. Mit Hilfe eines sogenannten Bridge-Babies können die schemenhaften Gestalten erspürt und umgangen werden. Sollte ein Ausweichen mal nicht funktionieren, so helfen Blutgranaten oder andere Hilfsmittel. Kommt Sam den Geistern jedoch zu nah, dann ist Kuschelzeit angesagt, die im Verlust der Fracht und des Lebens enden kann. Diese Momente sind äußerst intensiv und tragen zur allgemein dichten Atmosphäre des Spiels bei.

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Eine Hand wäscht die andere

Hideo Kojima erwähnte im Vorfeld der Veröffentlichung mehrfach, dass sich die Hauptaussage von Death Stranding um die Verbindung von Menschen dreht. Dieser essentielle Aspekt bildet das Grundgerüst der eigentlichen Story, stellt jedoch auch einen äußerst wichtigen Teil des Gameplay. Neben der Annahme von Lieferaufträgen oder einem Gemeinschaftskasten können auch verschiedene Bauprojekte gemeinsam bewältigt werden. Durch aufgebaute Ladestationen, Brücken oder auch Straßen können die Strapazen deutlich gelindert werden. So entsteht ein Gemeinschaftsgefühl trotz Einsamkeit.

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Wunderschön in seiner Trostlosigkeit

Death Stranding beeindruckt mit fotorealistischen Landschaften, die trotz ihrer tristen Aufbereitung für Staunen sorgen. Der Aufbau und die Struktur erscheint wie natürlich und das Wandern in der Post-Apokalypse verkommt schnell zum Sightseeing. Leider gewöhnt sich das Auge recht schnell an diese Natur-Schönheit und wünscht sich gelegentlich mehr Abwechslung im Farbkasten. Abseits davon können die menschlichen Charaktere mit realistischer Mimik und Gestik punkten. Das Wichtigste: Death Stranding ist das wohl schönste Spiel dieser Konsolen-Generation und läuft trotz Grafik-Wucht butterweich.

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Atmosphäre zum Schneiden

Die grafische Darstellung der Landschaft sorgt in ihrer Trostlosigkeit für ein wohliges Gefühl der Einsamkeit. Der gelegentlich einsetzende Score oder die passend ausgewählten Songs unterstreichen das gefühlvolle Wandern durch die Endzeit. Mit dem Einsetzen des prasselnden Regens entsteht so eine Atmosphäre, die in ihrer melancholischen Schönheit einzigartig ist. Aufgebrochen durch die fast greifbare Anspannung, wenn geisterverseuchtes Gebiet durchschlichen werden soll oder die Toten bereits gewaltsam an Sam zerren und ziehen, spielt Death Stranding immer wieder gekonnt mit euren Gefühlen.

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Ist es ein Meisterwerk?

Death Stranding lebt von seiner Atmosphäre und der etwas verwirrenden aber tiefgründigen Geschichte. Wie kein anderes Spiel weiß es die Einsamkeit als sehnsüchtiges Gefühl zu wecken und trotz allem die zwischenmenschlichen Verbindungen als essentiellen Part herauszustellen. Auch wenn das Item-Management gelegentlich in frustige Wuselei ausarten und die mehrfachen Reisen zwischen den gleichen Orten langweilen können, so bleibt dennoch eines der einzigartigsten und emotional intensivsten Spielerlebnisse der letzten Jahre.

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