Feature

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als Videospiele nicht per Patch nachgebessert werden konnten? Als es nicht die Möglichkeit gab, Sprungpassagen oder grafische Fehler nachträglich zu optimieren? Bestimmt habt ihr auch fluchend vor dem Bildschirm gesessen, wenn eure Spielfigur mal wieder durch eine Bodenplatte rutschte oder ein Schlag durch den Gegner hindurchging. Die heutigen Möglichkeiten der Entwickler, solche Unzulänglichkeiten noch auszumerzen und den Spielern schnell ein besseres Erlebnis bei Titel X oder Y zu bescheren oder weitere Features hinzufügen zu können, sind sicherlich ein Segen für die Industrie.

Aber es hat den Anschein, als würden einige Entwickler und Publisher die mangelhafte Qualität ihrer Spiele zum Release mittlerweile billigend in Kauf nehmen und sich auf diese Möglichkeit des Nachbesserns verlassen. Der Finanzplan ist so eng gestrickt, dass ein Titel zum genau geplanten Datum auch wirklich bereitgestellt werden muss, ohne Rücksicht auf mangelnde Qualität. Notfalls patchen sie halt nach. Und wer gleich am Erscheinungstag losspielt, ist das Versuchskaninchen.

Fallout 76: Dank eines Bugs lief unser Mitspieler plötzlich unbekleidet durch West-Virginia.

Sind wir Spieler oder Tester?

Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit gibt es ja reichlich. Fallout 76 kam mit einem Day-One-Patch, der noch einmal soviel Datenmenge brauchte wie das vollständige Spiel. WWE 2K20 war und ist immer noch ein sehr unfertiges Produkt. Blacksad: Under the Skin wurde irrtümlich zu früh veröffentlicht, es folgte prompt der Hinweis auf einen Patch zum Releasetag, der wichtige Bugs und Glitches verbessern soll. Wieviel Speicherplatz muss man eigentlich für Patches noch auf der Festplatte freihalten?

Schaut man sich die Abspänne einzelner Spiele an, finden sich darin gleich mehrere Qualitäts-Tester und -Manager. Bei soviel Personal muss man sich die Frage stellen, machen die ihren Job? Oder werden sie im Hinblick auf die Quartalszahlen einfach überhört? Sicherlich ist das Programmieren heutzutage wesentlich komplexer als noch vor Jahren und bestimmt gibt es immer wieder kleine Dinge, die sich erst bemerkbar machen, wenn ein Titel der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Aber dass Spieler mit eklatanten Fehlern konfrontiert werden, die auch dem unerfahrendsten Qualitätsmanager auffallen müssten, ist einfach eine Frechheit.

Ein schwebender Ringrichter ist nur ein kleiner Bug, gemessen an den anderen in WWE 2K20

Entscheidung mit dem Geldbeutel

Was Entwickler und Publisher verstehen müssen, solche kaputten Spiele zu früh auf den Markt zu bringen, schadet ihrem Ansehen. Die genervten Spieler von heute werden wohl kaum den nächsten Titel gleich am Erscheinungstag kaufen, sondern erst einmal warten, bis er fehlerfrei zur Verfügung steht. Oder ganz die Finger davon lassen. Folglich verliert das Unternehmen neben der Stammspielerschaft auch noch Geld. Ob ein Unternehmen finanziell erfolgreich ist, liegt bei uns Spielern.

Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn ein Videospiel etwas später erscheint als angekündigt. Sicherlich bin ich traurig. Aber es ist mir dennoch lieber, ein paar Monate länger zu warten, als mich über nervige Bugs, Glitches und sonstige Fehler ärgern zu müssen. Gerne gebe ich den Entwicklern mehr Zeit, um mir ein technisch einwandfreies Spiel zu präsentieren. Ich möchte kein zahlendes Versuchskaninchen sein, sondern ein zufriedener Kunde.

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